Glocken der SAXONIA-FREIBERG-STIFTUNG (SFS)

Glocke vom Davidschacht in der SFS

Die Bedeutung des wieder in Betrieb genommenen Freiberger Bergbaus kann man auch daran erkennen, dass – trotz Glockenspenden für die Rüstung im Jahr 1942 – auf die neue Kaue des Davidschachtes ein Glockenturm mit einer 100 Jahre alten Bronzeglocke gebaut wurde. Die Glocke selbst stammt aus dem Jahr 1842 wie der oben auf der Glocke umlaufende Text dokumentiert:

Gegossen von Sigismund Schöttel Inspektor der königlich Sächsischen Stückgießerei in Dresden 1842[i].

Unter der Schrift läuft eine Weinlaubborde. Auf der Vorderseite wiederum steht, dass die Glocke für die

Himmelfahrts Abraham Fundgrube im Jahr 1842

hergestellt wurde.

Auf der Rückseite lautet ein weiterer Text:

Die Augen des Herrn sehen auf

die Gerechten, er höret

ihr Schreihen und hilft ihnen

Im unteren Teil umläuft eine weitere von Wulsten eingerahmte Borde. Diese zeigt Getreide mit Kornblumen. Durch den desolaten Zustand des Holzes war die Standsicherheit des Glockenturms auf der ehemaligen Kaue nicht mehr gegeben. Mitglieder der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft stellten deshalb an den Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Kaue steht, den Antrag zur Bergung der Glocke. Dies wurde gestattet und es erfolgte der Abbau im Jahr 2009. Um die Glocke einer großen Anzahl von Menschen bekannt zu machen, entschloss sich die Familie Roland Grütze die Glocke der SAXONIA-FREIBERG-STIFTUNG als Dauerleihgabe – mit der Verpflichtung diese innerhalb des Gebäudes an der Chemnitzer Straße zu präsentieren – zu übergeben. Dies geschah noch im gleichen Jahr. Heute steht der Glockenturm mit der eingehangenen Glocke im Hausflur der Chemnitzer Straße 8 in Freiberg.

Eine Dokumentation rundet die kleine Ausstellung ab.

 

Hilliger Glocke der SFS

Diese Glocke hat wahrscheinlich Jahrhunderte im Rittergut Rechenberg ihren Dienst getan, zuletzt im Turm der Gaststätte „Zum Glöckl“. Mehr ist bisher zur Geschichte nicht bekannt.

Angeboten wurde die Glocke der Stiftung im Internet im Jahr 2012. Die SAXONIA-FREIBERG-STIFTUNG hat sie mit zwei Zielen erworben:

 

  1. Die Hilligerglocke sollte, wenn sie schon aus ihrem angestammten Glockenturm verschwinden soll, nicht irgendwo schlagen – sondern in dem Ort in dem sie gegossen wurde.
  2. Das Hospital St. Johannis hatte wahrscheinlich in einem der Weltkriege ihre Stundenglocke verloren und die Hilligerglocke ist ein würdiger Ersatz.

 

Im Mai 2016 wurde die Glocke mit einem modernen Uhrwerk verbunden. Das historische Uhrwerk bleibt dabei erhalten. Eingebaut hat man sie in den Dachboden der Stiftung. Sie wird wieder ihren Dienst, nun zu jeder vollen Stunde, tun und mit ihrem Schlag die Zeit zwischen 6:00 und 20:00 Uhr angeben.

 

Nun noch einige Informationen zur Glocke selbst:

Gegossen wurde sie von Wolf Hilliger in der Zeit nach 1544, da übernahm er selbstständig die Gießerei von seinem Vater. Wir wissen aber auch, dass die Glocke noch vor 1561 gegossen sein muss, denn ab diesem Jahr brachte Wolf Hilliger das erweiterte Wappen auf die von ihm gegossenen Glocken.

Die Glocke wurde als Schlag- oder Uhrenschlagglocke gegossen, d.h. sie hat im Inneren keinen Klöppel. Sie wird durch ein Schlagwerk von außen angeschlagen.

Die Glocke hat ein Gewicht von 32,4 kg, bei einer Höhe von 28 cm und einem unteren Durchmesser von 39 cm. Sie ist aus Glockenbronze und als Zier trägt sie neben dem Fries mit einem umlaufenden Blätterkranz, die Buchstaben WH für Wolf Hilliger und das Wappen der Hilliger in der älteren, ursprünglichen Form.

Genannt sollen hier auch die Unterstützer, die Sponsoren. In diesem Fall waren es:

Raumausstatter Jens Bürgel                         100 €

Heizung-Sanitär Dieter Hillert                     200 €

Tischlerei Dirk Müller                                    100 €

Sparkasse Mittelsachsen                                821 €

Befesa Zinc Freiberg GmbH                          511 €

Dr. Gerhard Baum                                          600 €

Gesamtspenden                                    2.332 €

 

Wünschen wir uns, dass dieser Zeitzeuge der einst hochentwickelten Glockengießkunst Freibergs, der nun in der Saxonia-Freiberg-Stiftung hängt, der Weg der Vorgängerglocke von St. Johannis erspart bleibt und dass unsere Nachfahren noch viele Jahrhunderte dem Klang der Hilligerglocke lauschen können – das Material und die die eingeflossene Handwerkskunst sollten dies hergeben.

 

[i][i] Siehe dazu auch Knappenstubenglocke der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e.V., die ebenfalls vom gleichen Gießer hergestellt wurde.